Rückblick AMK 2022

Lösungen für die Zeitenwende –
Ohne private Investitionen geht es nicht 


„Wir leben in einer Zeit, in der die Eichung des finanzpolitischen, aber auch des gesellschaftlichen Kompasses zwingend notwendig ist“, betonte Dr. Robert Habeck, Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, in einer Videobotschaft, mit der er die BVI Asset Management Konferenz 2022 im Gesellschaftshaus des Palmengartens in Frankfurt vor knapp 400 Teilnehmern eröffnete. Die Geschäftsfelder der Zukunft seien auf CO2-Neutralität ausgerichtet, und die Kapitalmärkte müssten für den Klimaschutz arbeiten. „Investieren Sie in diesen Bereich“, appellierte er an die Teilnehmer.

Von einer Zeitenwende sprach Dr. Florian Toncar, Parlamentarischer Staatsekretär beim Bundesminister der Finanzen. Obwohl der Begriff inzwischen alltäglich benutzt werde, habe noch nicht jeder begriffen, was Deutschland erwartet: Es gehe um nicht weniger als die Neuverhandlung der ökonomischen und gesellschaftlichen Grundlagen. Für Toncar ist dabei „mehr Staat“ jedoch keine Lösung. „Kein politisches Ziel ist ohne private Investitionen erreichbar“, erklärte er. Mit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz sollen nun die Weichen dafür gestellt werden.

Diese aktuelle Debatte führten Markus Herbrand, MdB (FDP), Dr. Michael Meister, MdB (CDU/CSU), Manfred Bauer, Sprecher der Geschäftsführung der DWS Investment, und Kai Schulze, Leiter des Berliner BVI-Büros, in einer Podiumsdiskussion fort und sprachen über die Geeignetheit von Fondssparplänen in der Altersvorsorge, die Rolle der Fondsbranche bei der Transformationsfinanzierung und über eine aktive Finanzplatz- und Wettbewerbspolitik.

Was angesichts der Krisen und geopolitischen Entwicklungen für Deutschland auf dem Spiel steht, erläuterten Krisenreporterin Dr. Antonia Rados und Gabor Steingart, Journalist und ehemaliger Herausgeber des Handelsblattes. Kriege habe die Welt schon immer gesehen, betonte Rados. Und die Lehre aus der Vergangenheit laute, es brauche Verbündete, gute Führung und inneren Zusammenhalt. Gerade beim Thema Verbündete sieht Steingart jedoch Defizite. Deutschland sei aufgrund seiner geographischen Lage nicht nur auf den Westen, sondern auch auf Beziehungen zu Russland angewiesen. Die Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs sieht er daher kritisch.

Anschließend fesselte Prof. Hans-Werner Sinn, ehemaliger Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, die Konferenzteilnehmer. Aus ökonomischer Sicht sei die Regulierung nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten nicht sinnvoll. Zielführender sei die Steuerung über die Bepreisung des CO2-Austoßes. Zudem habe ein Alleingang der Europäer keinerlei Effekt auf die Klimaziele. Das, was die Europäer an handelbaren Energien einsparten, würden andere Länder zu sinkenden Weltmarktpreisen verbrauchen.

Kontroverser und spannender hätte die anschließende Podiumsdiskussion zum Thema „Who decides on sustainability“ unter Leitung von Dr. Magdalena Kuper, Leiterin Nachhaltigkeit beim BVI, kaum sein können. Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, Nathan Fabian, Vorsitzender der Europäischen Plattform für nachhaltige Finanzen, Antje Schneeweiß, Mitglied der EU-Plattform und des Sustainable-Finance-Beirates der Bundesregierung, und Prof. Hans-Werner Sinn debattierten leidenschaftlich über das, was als nachhaltig zu gelten hat und inwieweit eine EU-Regulierung sinnvoll ist.

Durch das Programm führte Corinna Wohlfeil, Moderatorin bei n-tv.

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